Nichts ist also an sich politisch. Aber alles kann es werden, wenn es die Begegnung der zwei Logiken stattfinden lässt. Ein und diesselbe Sache - eine Wahl, ein Streik, eine Demonstration - kann Politik oder nichts stattfinden lassen. (…) Der Haushalt hat ein politischer Ort werden können, nicht durch die einfache Tatsache, dass an ihm Machtverhältnisse ausgeübt werden, sondern weil er in einem Streit über die Befähigung der Frauen zur Gemeinschaft als Grund angeführt wurde. Ein und derselbe Begriff - wie etwa Meinung oder Recht - kann eine Struktur des politischen Handelns wie auch der polizeilichen Ordnung bezeichnen. So bezeichnet das Wort Meinung zwei gegensätzliche Vorgänge: die Nachbildung staatlicher Legitimierungen in Form von ‘Gefühlen’ der Regierten oder die Gründung einer Bühne der Bestreitung dieses Spiels der Legitimierungen und der Gefühle; die Wahl zwischen den vorgeschlagenen Antworten oder die Erfindung einer Frage, die noch niemand stellte.
—Rancière, Jacques (2002): Das Unvernehmen. Politik und Philosophie. S. 44. Frankfurt am Main: Suhrkamp. (via frutelia3000)
Das Fehlen einer Grenze zwischen den beiden Gewalten, die Kontamination, die sich zwischen (Be)gründung und Erhaltung ereignet, ist schmachvoll, sie ist, wie Benjamin schreibt, »das Schmachvolle« der Polizei (S. 189). Denn diese begnügt sich gegenwärtig nicht mehr damit, das Gesetz anzuwenden und folglich zu erhalten; sie erfindet es, sie läßt Erlasse ergehen, sie greift jedesmal ein, wenn die gesetzliche Lage nicht eindeutig ist, mit der Absicht, die Sicherheit zu garantieren. Heute geschieht dies beinahe ununterbrochen. Die Polizei ist etwas Schmachvolles, weil in ihrer Macht, in ihrer Autorität - weil »in ihr die Trennung von rechtsetzender und rechtserhaltender Gewalt aufgehoben ist« (S. 189). Durch diese Aufhebung*, die sie selber ist, erfindet die Polizei das Recht, wird sie zur rechtsetzenden*, gesetztgebenden Macht, jedesmal, wenn das Recht unbestimmt genug ist, um ihr diese Möglichkeit einzuräumen. Dort, wo Polizei ist, überall also und auch an diesem Ort hier, kann man die beiden Gewalten, die setzende, (be)gründende, und die erhaltende, nicht länger unterscheiden; darin besteht die schmachvolle, schändliche, abstoßende Doppelsinnigkeit.
—jacques derrida, gesetzeskraft - des »mystische grund der autorität«, s.90f ( ffm, 1996 )
(Source: zartcore, via frutelia3000)












